Job-Wechsel

Ein Karriereschritt
Warum? Wann? und Wie? empfiehlt sich ein Umstieg

Interview mit Frau Mag. Ertl, Consultant bei Wentner & Havranek Institut für Unternehmensberatung

 Sehr geehrte Frau Mag. Ertl, als Consultant in der Personalberatung sind Sie täglich mit den Fragen von Job-Wechsel konfrontiert. Welche Empfehlungen können Sie den veränderungswilligen KandidatInnen geben?

Mag. Ertl: Ich möchte zu allererst vorausschicken, dass es DIE einzig richtige Antwort oder DAS absolut erfolgversprechende Patentrezept rund um den Jobwechsel, nicht gibt. Im Lauf der Jahre sammelt man als Personalberater sicherlich einen breiten Fundus an Erfahrungen. Diese sind aber immer situations- und personenbezogen. Tipps und Hinweise können maximal als Orientierungshilfe dienen und zum Nachdenken anregen.

Welche Gründe sprechen für einen Jobwechsel, sodass es auch für andere als ein nachvollziehbarer logischer Schritt erscheint und der Betreffende nicht in das Licht des "Job-Hoppers" gerückt wird?

Mag. Ertl: Nachvollziehbare Gründe für einen Jobwechsel sind z.B., wenn der Betreffende im aktuellen Unternehmen keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr hat, oder dem Betreffenden von einem anderen Unternehmen ein attraktiveres Job-Angebot gemacht wird. Wenn er aus der operationalen Tätigkeit in eine Führungsaufgabe wechseln soll oder will; wenn er sich fachlich weiter vertiefen will. Es kann ja durchaus sein, dass er derartige Entwicklungsmöglichkeiten im aktuellen Unternehmen bereits ausgeschöpft hat.

Ebenso nachvollziehbar ist es, wenn sich ein Mitarbeiter in einem Unternehmen nicht mehr wohl fühlt, weil er sich mit der gelebten Unternehmenskultur nicht mehr identifiziert, die eigenen Ideen nicht einbringen kann; auf sehr starre Strukturen stößt, die keinen Freiraum erlauben. Oder aufgrund eines Konfliktes. Wenn dieser Grund angeführt wird, dann hören wir natürlich genau hin, ob der Betreffende diese Situation auch reflektiert hat, welchen Anteil er selbst zu dieser Situation beigetragen hat, oder ob er die Ursachen ausschließlich in der Umwelt sieht.

Wie lange sollte man in einer Position bleiben?

Mag. Ertl: Dafür gibt es keine Regel. Es hängt immer von der jeweiligen Person und Situation ab. Es kann natürlich sein, dass der eine oder andere Personalverantwortliche den Standpunkt vertritt, in einer Position soll jemand mindestens 3 - 5 Jahre verbleiben, alles darunter kann als mangelndes Durchhaltevermögen ausgelegt werden. Wechsel müssen grundsätzlich nachvollziehbar sein, rein monetäre Gründe werden als negativ angesehen, eine gezielte Karriereplanung sollte ablesbar sein.

Wie wird es beurteilt, wenn ein Mitarbeiter 10 Jahre in demselben Unternehmen beschäftigt ist. Wird dies positiv oder negativ gesehen?

Mag. Ertl: Es hängt wiederum davon ab - 10 Jahre in der selben Position mit der selben Aufgabe kann sehr leicht als mangelnde Initiative oder Flexibilität ausgelegt werden. Wenn 10-jährige Firmenzugehörigkeit vorgewiesen werden kann, dann ist der persönliche Entwicklungsweg innerhalb dieses Unternehmens sehr entscheidend. Hat der betreffende immer wieder neue Herausforderungen angenommen, wurde ihm mit den Jahren mehr Verantwortung übertragen und hat er verschiedene Fachbereiche kennen lernen können? Oder wurde er von Abteilung zu Abteilung gereicht, ohne Erweiterung seines Aufgabenspektrums?

Gibt es frühzeitige Anzeichen oder Signale, die für einen Mitarbeiter ein Hinweis sein können, dass es u.U. sinnvoll ist, sich um einen neuen Job umzusehen? Wahrnehmungen im eigenen persönlichen Befinden, Wahrnehmungen im Umfeld etc.

Mag. Ertl: Schwierige Frage - Falls Sie auf Umstrukturierungen anspielen - diese können alles Mögliche bedeuten. Ebenso Personalrochaden in der Vorstandsetage können so oder so ausgelegt werden. Restriktive Sparprogramme können bedeuten, dass das Unternehmen Maßnahmen ergreift, um unnötige Kosten in den Griff zu bekommen. Ich kann hier nur empfehlen, die Medienberichte zu verfolgen und auf die eigene Intuition zu achten.

Wenn jemand aus einer aufrechten Position heraus seinen Job wechseln will, wie soll er vorgehen. Gibt es dafür bestimmte Strategien?

Mag. Ertl: Eine Bewerbungsphase ist zeitaufwendig und es ist neben dem Job ein zusätzlicher Aufwand notwendig. Er muss sich umsehen. Vermehrt Inserate lesen, Job-Angebote studieren und nicht zu vergessen, seinen Bekannten von seinen Veränderungsabsichten Bescheid zu geben. Diese können oft wertvolle Tipps und Impulse oder auch Rückmeldung über persönliche Stärken und Fähigkeiten geben. Selbstverständlich muss der Betreffende genau abschätzen, wem er wieviel weiter sagt.

Der Kandidat kann auch seinen Lebenslauf ins Internet stellen - dabei soll er darauf achten, dass er als Verfasser nicht identifiziert, er aber trotzdem kontaktiert werden kann. Es empfiehlt sich für die Bewerbungsphase eine eigene private Mailadresse anzulegen und sich die Emails auf keinen Fall an den Arbeitsplatz senden zu lassen.

Gibt es bestimmte Verhaltensweisen oder Spielregeln, die der Veränderungswillige in dieser Phase einhalten soll?

Ein paar Spielregeln sollten beachtet werden wie z.B. nicht vom Arbeitsplatz aus den neuen potenziellen Dienstgeber anrufen, sich auch nicht per e-mail während der Arbeitszeit oder vom Arbeitsplatz aus zu bewerben. Es empfiehlt sich auch nicht, sich am Arbeitsplatz anrufen zu lassen oder als Absender die Firmenadresse anzugeben. Immer die private Adresse und Handynummer angeben.

Rein aus Loyalität gegenüber dem Unternehmen sollte gelten - "Bewerbungsaktivitäten sind Aktivitäten die in der Freizeit und auf eigene Kosten ausgeübt werden."

Hat es einen Sinn, den Lebenslauf einem Personalberater weiterzugeben?

Ja sicher, ob der Betreffende eine Position angeboten bekommt, hängt dann natürlich auch davon ab, wann der Personalberater einen Auftrag bekommt, eine entsprechende Position zu besetzen. Daher kann mitunter etwas Zeit vergehen. Aber wenn das Profil entspricht, greifen Personalberater gerne auf die eigene Datenbank zurück.

Wann ist es der angemessene Zeitpunkt, den Vorgesetzten vom geplanten Jobwechsel zu informieren?

Hängt wiederum vom Unternehmen und der gelebten Unternehmenskultur ab. Im Allgemeinen gilt - sobald der neue Dienstvertrag unterzeichnet ist. Wenn zwischen Mitarbeiter und Vorgesetzten ein gutes Vertrauensverhältnis herrscht, dann kann man durchaus auch schon früher die Absichten der Veränderung bekannt geben.

Damit bietet man nämlich dem Unternehmen die Möglichkeit, sich rechtzeitig darauf einzustellen und sich um eine Nachfolgerin umzusehen. So bleibt auch mehr Zeit, um eine geordnete Übergabe vorzubereiten und die Nachfolgerin einzuschulen.

Wie verlässt man eine Dienststelle. Was gehört zu einem" sauberen Abgang".

Mag. Ertl: Wenn möglich in einem guten Einvernehmen. Der Kandidat übergibt seine Arbeit klar strukturiert und schult die Nachfolgerin ein.

Angenommen es gab kein gutes Einvernehmen, bzw. der ständige Konflikt mit dem Vorgesetzten oder einem Mitarbeiter war der ausschlaggebende Grund für den Veränderungswunsch.

Mag. Ertl: Konflikte sind nicht auszuschließen und können vorkommen. Wichtig ist, authentisch zu sein und glaubwürdig darzustellen, dass man selbst sein Möglichstes zur Bearbeitung des Konfliktes getan hat, dass der Konflikt aber nicht für beide Seiten zufriedenstellend lösbar ist.

Worauf ist zu achten, wenn man über den früheren Dienstgeber befragt wird?

Mag. Ertl: Keine Details weitergeben, auf den Datenschutz achten, nicht zu viele Emotionen an den Tag legen, sondern sachlich bleiben. Der Gesprächspartner gewinnt ansonst den Eindruck - "so wie der Kandidat jetzt über seinen früheren Dienstgeber spricht, so wird er auch über unser Unternehmen sprechen, wenn er uns verlässt".

Gibt es eine Empfehlung oder einen Gedanken, den Sie noch gerne weitergeben möchten?

Mag. Ertl: Vielleicht den einen - ein Dienstverhältnis ist ein zweiseitiges Rechtsverhältnis mit wechselseitigen Rechten und Pflichten, ein wechselseitiges Geben und Nehmen. Und es liegt auch in der Eigenverantwortung des Mitarbeiters, dafür zu sorgen, dass er für sich Arbeitsbedingungen schafft bzw. einfordert, die ein gutes, erfolgreiches Arbeiten ermöglichen.

Es wird von ihm erwartet, dass er beim Auftreten erster Probleme und Konflikte nicht sofort das Handtuch wirft, sondern sich diesen Herausforderungen stellt.

Vielen Dank für das Gespräch

Das Interview hat für Sie Gisela Zechner geführt.

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