Praktika, das Um und Auf

Im Gespräch mit Frau Martina Greiner,
Personalentwicklerin bei RWA Raiffeisen Ware Austria AG (2003)

Frau Greiner, Sie sind in der RWA verantwortlich für Personalrecruiting. Welche Rolle spielen BOKU-AbsolventInnen für Ihr Unternehmen?
Martina Greiner: BOKU-AbsolventInnen sind für unser Unternehmen natürlich sehr interessante Mitarbeiter, da sie die Branche, die damit verbundenen Strukturen, Produkte und natürlich die Landwirtschaft selbst, sehr gut kennen.

In welchen Bereichen sind sie eingesetzt?
Martina Greiner: Wir sind ein Handelsunternehmen im Agrarbereich und daher sind viele von ihnen in vertriebsorientierten kaufmännischen Bereichen eingesetzt. Neben dem nationalen Handel sind wir auch international tätig, wenn es um den Export von Agrarprodukten geht oder um den Einkauf von Rohmaterialien. Daneben verfügen wir über eigene Labors im Bereich Saatgut, in denen ebenfalls BOKU-AbsolventInnen tätig sind.

Sie haben die Internationalität angesprochen, wie international ist die RWA?
Martina Greiner: Wir sind ein österreichisches Unternehmen und haben derzeit unseren Schwerpunkt sicher im Inland, aber der internationale Handel mit agrarischen Produkten wird für die RWA immer wichtiger und bedeutender. Wir haben ein starkes Engagement durch eigene Beteiligungsunternehmen in den angrenzenden Ländern Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien und Kroatien. Der Getreidehandel mit Italien gewinnt zusehends an Bedeutung und wir sind auch in anderen Bereichen international tätig. Bis dato haben wir allerdings keine "Expatrias" im Einsatz in einem dieser Länder

Sie sind immer wieder mit der Auswahl von neuen Mitarbeitern konfrontiert. Wie wichtig sind für Sie Praktika während des Studiums?
Martina Greiner: Für mich ist das einfach das "Um und Auf". Wenn ich entscheiden kann zwischen guten Noten und Praxiserfahrung, dann entscheide ich mich für den KandidatenIn mit mehr Praxiserfahrung. Es ist nur von Vorteil, wenn ein Studienabgänger während des Studiums mehrere Unternehmen kennengelernt hat und auch erfahren hat, was heißt es für ihn/sie, einen ganzen Tag in einem Büro tätig zu sein. Es ist nicht zu unterschätzen, dass es AbsolventInnen oft schwer fällt, überwiegend in einem Büro tätig zu sein. Sie haben zwar mit der Landwirtschaft zu tun, aber alles auf einer abstrakten Ebene. Sie handeln zB mit Getreide, aber sie haben die "Körndln" nie in der Hand.

Worin sehen Sie den größten Wert von Praktika
Martina Greiner: Die Studierenden können ihr Wissen bereits während des Studiums anwenden und den Horizont erweitern. Es ist zweierlei, ob man Wissen erlernt hat oder ob man Wissen anwendet.

Worauf sollen Studierende bei der Wahl ihrer Praktika achten?
Martina Greiner: Die Studieninhalte erweitern. Nicht noch mehr vom selben, sondern in ganz anderen Bereichen tätig zu sein. Z.B. als Planzenbauer ein Praktikum in einem Handelsunternehmen absolvieren. Auf diese Weise werden auch andere Bereiche kennen gelernt. Es erweitert den persönlichen Horizont und es fällt leichter, Zusammenhänge und Wechselwirkungen zu verstehen, wenn man sie einmal praktisch gesehen hat. Vor allem die wirtschaftlichen Themen sind mühsam, nur aus den Büchern zu lernen, hingegen in der Praxis wird diese Materie sehr griffig und verständlich.

In welchen Bereichen sind bei der RWA Praktikanten tätig?
Martina Greiner: Sie werden im Vertrieb eingesetzt, im Produktmanagement und durch ihren fachlichen Hintergrund aber auch in der Fachberatung für Landwirte und Lagerhäuser. Dort werden sie mit den spezifischen Fragen zur gesamten Produktenpalette in den Lagerhäusern konfrontiert. Das geht von Kenntnissen über Kartoffel, Getreide, Futtermitteln über Pflanzenschutz und Düngemittel bis hin zur Landtechnik.

Bietet die RWA den StudentInnen während der Studienzeit Möglichkeiten für Studentenjobs an?
Martina Greiner: Derzeit nicht, aber für die Zukunft ist das durchaus denkbar.

Ich denke dabei an kurzfristige, bedarfs- oder projektbezogene Tätigkeiten, die keine langwierige Einschulung erfordern, bei denen aber sowohl die Studierenden die Möglichkeit haben, den Unternehmensalltag mit zu erleben, die RWA kennen zu lernen als auch die RWA mit potenziellen Mitarbeitern ins Gespräch kommt.
Martina Greiner: Wie gesagt, derzeit machen wir das nicht, es ist aber ein Ansatz, den wir für die Zukunft weiter verfolgen möchten.

Was empfehlen Sie den BOKU-AbsolventInnen bzw. StudentInnen aus Ihrer Sicht und Erfahrung als Personalrecruiterin der RWA?
Martina Greiner: Vorerst viel Spaß und Erfolg beim Studium und mehr Praktika auch in "ausbildungsfremden" Bereichen mit herausfordernden Tätigkeiten, denn dabei lässt sich am meisten lernen. Praktika bei denen sie nicht nur Wissen erweitern sondern Berufserfahrungen sammeln. Als Personalverantwortliche eines Handelsunternehmens stehen für mich die Wirtschaftsfächer selbstverständlich ganz oben auf der Empfehlungsliste. Ein absolutes "Muss" für Akademiker, auch wenn es nicht am Studienplan steht, sind Englisch und EDV-Anwendung (Office-Palette, Internet). Wobei wir als österreichisches Unternehmen bezüglich Englisch in manchen Bereichen nicht einen so strengen Maßstab anlegen, wie es internationale Konzerne tun müssen, aber wer auf eine bestimmte Ebene aufsteigen will, der muss es mitbringen bzw. erlernen.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch
Ich danke ebenfalls und wünsche noch weiterhin gutes Gelingen!

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