Auslandsaufenthalte fördern Diplomatie und Geschick

Im Gespräch mit: Mag. Georg Nemeth
Personalleiter AGRANA Beteiligungs-AG

Herr Mag. Nemeth, Sie sind verantwortlich für den Bereich Personal der AGRANA Beteiligungs-AG. Worin liegt die Hauptaufgabe dieser Gesellschaft?
Die AGRANA Beteiligungs-AG wurde 1988 als Dachgesellschaft der österreichischen Zucker- und Stärkeindustrie gegründet. Sie fungiert als Holdinggesellschaft und koordiniert die Aktivitäten der Tochtergesellschaften AGRANA Zucker- und Stärke AG, AGRANA Marketing- und Vertriebsservice Ges.m.b.H. sowie der AGRANA Internationale Verwaltungs- und Asset-Management AG.

Die AGRANA Gruppe ist international engagiert. Wie international ist sie?
Die AGRANA-Gruppe betreibt in Österreich 3 Zucker- und 2 Stärkefabriken und in den MOEL (Ungarn, Tschechien, Slowakei und Rumänien) 10 Zuckerfabriken und 1 Maisstärkefabrik.

 

Mit welchen Herausforderungen werden Ihre MitarbeiterInnen besonders konfrontiert?
Herausforderungen gab und gibt es in vielen Bereichen:

  • Zum einen war es die Strukturbereinigung und Rationalisierung im österreichischen Zuckerbereich als Vorbereitung auf den EU-Beitritt: von seinerzeit 7 Zuckerfabriken wurden zwischen 1977 und 1988 vier geschlossen und die verbliebenen drei auf europäisches Spitzenniveau ausgebaut. Dadurch ergab sich eine Reduktion der Mitarbeiterzahl allein zwischen 1986 und 1990 um mehr als die Hälfte.
  • Zum anderen ist es die starke Expansion der AGRANA. Seit ihrer Gründung im Jahre 1988 wurde der Umsatz verdoppelt. Seit 1990 ist die AGRANA in Ungarn, seit 1994 in Tschechien und seit 1998 in Rumänien und der Slowakei tätig. Die Mitarbeiteranzahl verdoppelte sich dadurch innerhalb von 2 Jahren und beträgt derzeit 6.500. Davon sind über 4.500 Personen außerhalb Österreichs beschäftigt.
  • Zusätzlich bedeutet es eine Herausforderung an unsere Mitarbeiter angesichts neuer EU-Zuckermarktordnung, der derzeitigen Energiepreise und sonstiger Kostenentwicklungen, das hohe Ergebnisniveau, das im letzten Geschäftsjahr erreicht wurde (Jahresüberschuss 37,6 Mio. EURO, EBIT-Marge 8,8 %, ROS 6,7 %) zu halten bzw. weiter auszubauen. Unser Ziel, führendes Zucker- und Stärkeunternehmen in Zentraleuropa zu sein, haben wir in weitem Umfang erreicht. Die notwendigen Strukturbereinigungen zur endgültigen EU-Fitness unserer Beteiligungen in den Ländern der EU-Beitrittskandidaten wurden rechtzeitig begonnen, bedürfen jedoch noch weiterer Anstrengungen.

Welche Anforderungen stellen Sie daher an Ihre MitarbeiterInnen?
Fachkompetenz im jeweiligen Bereich ist die Grundvoraussetzung. Dazu kommen Zusatzqualifikationen wie Englischkenntnisse (= Konzernsprache), EDV-Kenntnisse, weiterführende Ausbildungen in ergänzenden Bereichen etc. Wichtig sind aber auch bisherige berufliche Erfahrungen während des Studiums und persönliche Voraussetzungen, wie z.B. Einsatzbereitschaft, Flexibilität und hohe soziale Kompetenz.

 

Gibt es in Ihrem Unternehmen eine "klassische Laufbahnentwicklung"? Gibt es Karrierepläne?
"Vorgezeichnete" Karrieren gibt es nicht. Es ist ähnlich wie bei einem Tennisturnier – man muss sich auf das jeweilige Match konzentrieren, um es zu gewinnen und man sollte nicht gleichzeitig schon an die nächste Runde denken, die kommt von selbst, wenn man seine Aufgaben gut löst.
Wir fördern unsere Mitarbeiter durch persönliche Gespräche, on-the-job, aber auch durch ständige Aus- und Weiterbildung, Mitarbeit oder Leitung von Projekten, Auslandseinsätze usw. Es gibt viele Beispiele interner Entwicklungen bei der AGRANA bis in die Vorstandsebene, auch ohne "Karriereplan".

 

Durchläuft jeder Bewerber ein Traineeprogramm, wenn er in Ihr Unternehmen eintritt.
Es gibt für jeden neuen Mitarbeiter ein Einschulungsprogramm, das individuell abgestimmt wird und zuallererst spezielle Unternehmens- und Marktkenntnisse vermittelt. Wir haben keine klassischen Traineeprogramme, wo man alle Abteilungen eines Unternehmens durchläuft. Aber gerade in der Holding kann man einen sehr guten Überblick über die verschiedenen Unternehmensfunktionen erhalten.

 

Welche besonderen Anreize bietet die AGRANA den Bewerbern/innen? Was macht es attraktiv, ein Mitarbeiter der AGRANA zu sein?
AGRANA ist ein modernes, sehr professionell geführtes Unternehmen, das moderne, führende Technologien einsetzt und qualitativ hochwertige Markenprodukte erzeugt. Der Einsatz in einem erfolgreichen Team liefert Erfolgserlebnisse und macht Spaß. Darüber hinaus gibt es für Führungskräfte eine erfolgsabhängige Vergütung, die ebenfalls sehr attraktiv ist.

 

Sie haben erwähnt, dass Ihr Unternehmen   in den Mittel- und Osteuropäischen Ländern sehr stark engagiert ist. Welche besonderen Herausforderungen ergeben sich bei der Arbeit in diesen Ländern?
In diesen Ländern sind persönliche Stärken wie Kommunikation und Umgang mit anderen besonders wichtig. Wir haben einige Mitarbeiter vorübergehend dorthin entsandt, und nur zwei Österreicher sind auf Dauer im Ausland tätig. Ein Auslandseinsatz ist sicher eine Erfahrung, die für die künftige Karriere äußerst positiv ist. Die größte Herausforderung bei Entsendungen besteht darin, in einem fremden Umfeld, unter nicht optimalen Bedingungen gute Leistungen zu erbringen bzw. von den lokalen Mitarbeitern erbringen zu lassen. Dies erfordert höchste soziale Kompetenz, aber auch Integrität und Konsequenz.

Welchen Pluspunkt kann der einzelne für sich verbuchen, wenn er einmal über einen längeren Zeitraum im Ausland tätig war?
Auslandsaufenthalte erweitern das Blickfeld und den persönlichen Horizont. Die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen und Denkmustern, ohne den eigenen Standpunkt aufzugeben, erfordert viel Diplomatie und Geschick. Wer diese Erfahrung einmal gemeistert hat, geht in der Zukunft meist souveräner mit neuen Herausforderungen um, und qualifiziert sich für weitere Führungspositionen.

Sie haben im Zuge Ihrer Tätigkeit mit AbsolventInnen verschiedenster Universitäten zu tun. Was empfehlen Sie BOKU-AbsolventInnen, wenn sie sich für eine Position in der AGRANA interessieren?
BOKU-AbsolventInnen haben – offene Positionen immer vorausgesetzt – gute Einstiegchancen bei der AGRANA z.B. in den Bereichen Rohstoff, Wirtschaftspolitik, Einkauf oder wie zuletzt als VorstandsassistentIn im internationalen Bereich. Auf Grund des landwirtschaftlichen Bezuges der Zucker- und Stärkegewinnung besteht zu verschiedenen Instituten der BOKU ein enger Kontakt. BOKU-BewerberInnen empfehle ich, sich möglichst viele Zusatzkenntnisse im kaufmännischen Bereich und in der EDV anzueignen. Gute Sprachkenntnisse bringen weitere Vorteile. Praxiserfahrungen in verschiedenen Bereichen während des Studiums

Herzlichen Dank für das Gespräch

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