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   Prof. Dr. PENNINGER
   Wissenschaftlicher Direktor am IMBA,
   Institut für Molekulare Biotechnologie, Wien
    >>>Lebenslauf

Innerhalb von nur 10 Jahren ab der Promotion ist es Dr. Penninger gelungen, zu den weltweit anerkanntesten und wichtigsten Forschern seines Faches zu zählen. Neben der Fachkompetenz überzeugt Dr. Penninger durch seine Persönlichkeit, seine Wertschätzung und sein Respekt den er dem Leben und den Menschen entgegen bringt. Ein Forscher aus Leidenschaft, für den Ethik und Verantwortung ein Thema sind, der Chancen und Risiken einer Zusammenarbeit von Wirtschaft und Universität wahrnimmt und sich mit Strategien auseinandersetzt, die die beiderseitigen Interessen berücksichtigen. >>>mehr

--- beruflicher Werdegang ---
life-science.at: Herr Dr. Penninger, Sie haben sich in relativ wenigen Berufsjahren als Wissenschafter einen bedeutenden Namen gemacht. War Ihr Weg zum Wissenschafter schon vom Elternhaus her vorgezeichnet? Hatten Sie in Ihrer Kindheit bereits Kontakt zu Wissenschaft und Forschung?

Prof. Dr. PENNINGER: Nein überhaupt nicht. Ich war in unserer Familie der erste, der ins Gymnasium ging.

life-science.at: Wenn Sie heute zurückblicken, können Sie sagen, dass Sie sich bereits in der Mittelschule von Ihren Mitschülern in irgendeiner Weise abgehoben haben?

Prof. Dr. PENNINGER: Ich war kein guter Schüler - in einzelnen Fächern "ja", die haben mich interessiert und in denen war ich gut - aber nicht in allen. Theoretische Physik und Mathematik haben mir gut gefallen - Einmal wäre ich wegen eines Aufsatzes fast von der Schule geflogen. Mit 17 hatte ich die Idee, ich möchte etwas für die Menschheit tun und habe mich spontan entschlossen, Medizin zu studieren. Ich bin daher nach Innsbruck gegangen. Aber das Studieren, das viele auswendig lernen hat mich nicht ganz befriedigt und viele andere auch nicht.

Ich bin in der Schule und Studienzeit dem Grundsatz gefolgt, was mich interessiert, das mache ich. Das hab ich dann auch gut gemacht. Es war mir auch egal, ob ich damit jetzt Geld verdiene oder nicht. Ich hab damals 4 Jahre meine Doktorarbeit in Innsbruck geschrieben, ohne dass ich einen Groschen verdient habe. Sie hat mich interessiert und ich stand jeden Tag von in der Früh bis am Abend im Labor.

life-science.at: Welchen Tipp können Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen während Ihrer Studienzeit an Studierende weitergeben?

Prof. Dr. PENNINGER: Das Wichtigste, und eine Empfehlung an alle Leute ist, das zu tun was ihnen wirklich gefällt. Dort werden sie dann auch gut sein. Wenn man das macht, was man gern macht, das macht man auch gut. Und wenn man in einem Bereich gut ist, dann findet man in diesem Bereich auch entsprechende Betätigungsfelder.

life-science.at: Sie sagten Ihre Doktorarbeit hat Sie interessiert, wie haben Sie Ihr Dissertationsthema gefunden?

Prof. Dr. PENNINGER: Mich hat die Vorlesung von Prof. Wick immer interessiert. Ich habe seine Vorlesung besucht und bei ihm die Prüfung gemacht. Und dann kommt eines Tages ein Freund zu mir und sagt, "du der Wick braucht einen Studenten für eine Doktorarbeit". Mich hat Immunologie immer wahnsinnig interessiert und da bin ich am nächsten Tag hin gegangen. "Und der Wick packt mi am Arm und sagt: am Montag fangen Sie an." Am Montag habe ich dann angefangen.

life-science.at: Welche Rolle hat die Dissertation für Ihre Laufbahn gespielt?

Prof. Dr. PENNINGER: Das war sicher ein Meilenstein, denn mit der Dissertation öffnete sich eine ganz andere Welt. Es öffnete sich die Welt des Post Doc.

life-science.at: War es auch klar, dass Sie den Post Doc außerhalb Österreichs machen werden?

Prof. Dr. PENNINGER: Ja, in Österreich fertig studieren und dann 2-3 Jahre irgendwohin gehen.

life-science.at: Der klassische Weg, zuerst Turnus und danach den Beruf des Arztes auszuüben, hat sie nicht interessiert?

Prof. Dr. PENNINGER: Ich glaub ich hab nicht den Charakter für einen Arzt. Ich habe bei meiner wissenschaftlichen Arbeit immer einen Bezug zur Medizin - aber als Arzt selber, ich weiß nicht, ich bin nicht der Typ dazu. Die Medizin hat mich immer wahnsinnig interessiert und deshalb bin auch von dem nicht so guten Schüler zur Überraschung aller zum erfolgreichen Studenten und Wissenschafter mutiert. Mich interessiert Wissenschaft die dem Menschen hilft.

life-science.at: Wie ging es nach der Dissertation weiter?

Prof. Dr. PENNINGER: Ich war am Ontario Cancer Institute bis 1994 als Post Doc tätig. Danach wollte ich wieder zurück, habe aber keine Stelle in Europa gefunden. Im Nachhinein betrachtet, bin ich froh darüber. Eigentlich war es das Beste, das mir damals passieren konnte.

Eine Lehre die ich daraus gezogen habe ist, wenn man eine Stelle nicht bekommt oder in ein bestimmtes Labor oder Institut nicht hinein kommt, so tragisch es in dem Moment ist, im Endeffekt ist es irrelevant. Eine Absage sollten die Leute nicht so ernst nehmen, es öffnet sich meist eine ganz andere Tür. Eine Möglichkeit, an die man vorher vielleicht nicht gedacht hat, die sich zuletzt aber als die bessere Option herausstellt.

life-science.at: Heute stehen Sie auf der anderen Seite, heute sind Sie derjenige, der über Bewerbungen und damit über Bewerber entscheidet. Wie sehen Sie es von dieser Seite?

Prof. Dr. PENNINGER: Es ist sehr schwierig. Wir hatten eine Ausschreibung gehabt und wir hatten 100 Bewerber; aber nur eine Stelle zu vergeben. Ich bin sicher, dass unter den Bewerbern noch 20 andere phantastisch gewesen sind, aber man muss sich für eine oder einen entscheiden.

life-science.at: Wenn sich bei Ihnen ein junger Wissenschafter vorstellt, aufgrund welcher Eigenschaften gewinnen Sie den Eindruck "aus dem wird etwas"

Prof. Dr. PENNINGER: Ganz einfach - Leidenschaft

life-science.at: Leidenschaft ....

Prof. Dr. PENNINGER: Leidenschaft für das was er tut, Leidenschaft .... Leidenschaft ist überhaupt das Wichtigste.

life-science.at: Gilt dieses Prinzip der Leidenschaft auch für Sie selbst?

Prof. Dr. PENNINGER: Ja, absolut, ich bin mir sicher 95 % der Wissenschafter wissen vermutlich gleich viel oder viel mehr als ich - aber viele haben nicht die Leidenschaft, die ich damals gehabt habe.

life-science.at: Worauf kommt es noch an?

Prof. Dr. PENNINGER: Im Grunde braucht man natürlich auch Glück. Man muss selbstverständlich auch die Intelligenz haben, wenn sich irgendetwas Großes ergibt, im richtigen Moment zuzugreifen. Was man nicht unterschätzen darf, unser Gebiet ist eher frustrierend. Man arbeitet 2 oder 3 Jahre und weiß nicht, was raus kommt; meistens kommt nichts heraus. Wenn man das Glück hatte, dass etwas heraus gekommen ist, dann muss man die Cleverness haben, dass man daraus etwas macht. Man muss die Cleverness haben, dass man erkennt, was interessant ist. Bei Forschungsergebnissen zum Beispiel zu erkennen, auf welche Ergebnisse es ankommt. Oder auch die Cleverness, wenn etwas völlig anderes heraus kommt, zu erkennen, was kann ich damit machen.

life-science.at: Gibt es noch weitere Eigenschaften, die Ihrer Einschätzung nach wichtig sind?

Prof. Dr. PENNINGER: Eine gewisse Dickköpfigkeit braucht es auch - man muss dran glauben, was man macht. Natürlich ist auch das Wissen wichtig - jetzt nicht im Sinn des phantastischen Biochemikers, Genetikers der jedes Gen bis in seine Proteine kennt, sondern das Wissen über andere Bereiche. Zusammenhänge zu erkennen. Sachen aus anderen Disziplinen integrieren können. Die interessanten Ergebnisse sind immer an den Schnittstellen. Zwischen den Gebieten, dort tun sich neue Sachen auf. >>>> weiter

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- Wissenschaft und forschende Wirtschaft,
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- Universitäten und Ihre Möglichkeiten.

Das Gespräch führte: Gisela Zechner