Coaching

Dr. Werner Vogelauer ist Mitbegründer der Trigon Entwicklungsberatung, sowie Gründer der Coaching Werkstatt und befasst sich bereits seit Jahren mit strategischer Unternehmensentwicklung, Führungskräftetraining und Coaching von Führungskräften. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Artikel sowie mehrerer Bücher.

Was ist Coaching?

Coaching ist ein unterstützender Prozess der persönlichen beruflichen Entwicklung. Es ist eine kontinuierliche, zeitlich begrenzte und partnerschaftlich ablaufende Begleitung und Unterstützung von Einzelpersonen, ev. auch Teams bei beruflichen Veränderungs- und Entwicklungsprozessen oder auch bei beruflichen Problemstellungen. Das Coaching ist zielorientiert, situativ und bezieht den Gecoachten mit seiner ganzen Persönlichkeit – d.h. mit seinen persönlichen Stärken, Schwächen, Gefühlen, Einstellungen, Werthaltungen, persönliches Umfeld – in den Coachingprozess mit ein. Der Gecoachte ist für sein Lernen und seine Entscheidungen selbst verantwortlich.

Bei welchen Anlässen kann Coaching sinnvoll sein?

Coaching kann für Problemlösungs-Arbeit im Berufsalltag passen. Es kann für die Entwicklung der eigenen Person im Beruf, für Laufbahnarbeit und persönliche Zukunftsgestaltung wichtig sein. Vielen Führungskräften hilft es, in schwierigen Situationen mit Mitarbeitern oder anderen Geschäftspartnern eine konstruktive Kommunikation aufrecht zu halten oder Handlungsalternativen zu finden, wenn es um die Lösung von komplexen Problemen geht. Es kann auch zur Selbstreflexion beruflicher Situationen hervorragend beitragen. Letztendlich ist jeder Fall für sich einzigartig; wichtig ist die Frage bzw.  Problemstellung des Kunden, die er angehen möchte, woran er arbeiten will und wo er einen Sparringpartner, einen professionellen Begleiter dafür als sinnvoll empfindet.

Was passiert im Coaching?

Zuerst gibt es ein Kennenlernen der Personen und abstecken der Ziele, Aufgaben und Möglichkeiten (Vorgespräch), dann wird eine Vereinbarungen über Inhalt und Zeit geschlossen. Die Gespräche können mit Methoden-Hintergrund ablaufen, es können Rollengespräche mitgenutzt werden, auch Arbeiten wie innere Reisen, Arbeit an Gefühlen sind bei entsprechenden Fragestellungen Thema. Jede Stunde soll helfen, Umsetzbares zu entwickeln und der Kunde nimmt sich konkrete Aktivitäten vor.

Warum und wie wirkt Coaching?

Coaching wirkt durch direkte und persönliche Arbeit. Beispiele werden konkret durchgearbeitet. Alternativen werden entwickelt und bis zur Umsetzungsreife vorbereitet, die Umsetzung kann im nächsten Gespräch reflektiert, vertieft bzw. überarbeitet werden. Das ständige Bewusstsein, die Erfahrungen und Erfolge sowie die direkte Arbeit sind wesentliche Stützen.

Häufig wird von der Führungskraft als Coach gesprochen. Wie stehen Sie zu dieser Aussage, inwieweit kann eine Führungskraft der Coach von den Mitarbeitern sein?

Eine Führungskraft kann sicherlich Methoden aus dem Coaching vereinzelt in Gesprächen nutzen. Gut ist es seine ethischen und sozialen Aspekte nicht zu strapazieren. Letztendlich dient Coaching dem Ziel des Kunden und nicht dem Ziel des Vorgesetzten und es bedarf einer gehörigen Portion psychosozialen Wissens um effektiv zu arbeiten. Coaching ist auch nicht on-the-job-Training oder Zielkontrolle, da wird der Begriff missbraucht.

Bringt ein Coach aus dem eigenen Unternehmen nicht den Vorteil, dass er im Gegensatz zu einem Externen das Unternehmen bereits kennt und sich nicht zuerst mit den unternehmerischen Gegebenheiten vertraut machen muss?

Das kann ein Vorteil sein, der Nachteil dabei ist die Intimkenntnis, die auch Kunden zurückschrecken lässt. Wie frei ist auch der interne Coach in der Art seiner Verträge, bei den Informationen an Dritte oder bei wichtigen Stops, Entscheidungen oder Ablehnungen – sonst kann der Schuss nach hinten losgehen.

Was hat ein Unternehmen davon, wenn sich Mitarbeiter coachen lassen?

Ein Unternehmen hat in kurzer Zeit eine hohe Effektivität, wahrscheinlich sogar Motivation des Gecoachten und neues Engagement, wenn die Vorhaben und Ziele funktionieren. Dazu gehört aus Unternehmenssicht jedoch eine "Lernkultur" (nicht eine selbst-machen-müssen-Kultur) oder eine Unterstützungskultur (und nicht was-geht-mich-Dein-Lernen-an-Kultur) oder eine Veränderungs-kultur (und nicht eine was-soll-das-Neue-schon-wieder-Kultur).

Angenommen, jemand kommt auf den Gedanken, Coaching wär etwas für ihn, worauf sollte er Ihrer Meinung nach achten, bevor er sich auf einen Coachingprozess einlässt?

Wichtig ist das Gefühl eine gemeinsame Sprache und Wellenlänge zum Coach zu finden. Dann die Art des Coach auf den Kunden einzugehen, ihn zu stützen aber auch zu fordern (im Gegensatz zu Ratschlägen oder nach dem Mund reden). Klare Zielvereinbarungen und eine Zeitübersicht sind weitere Hinweise für Professionalität. Dazu kann auch ein detaillierter Artikel zu diesem Thema in der "Coaching-Praxis" (4. Auflage, Luchterhand-Verlag) herangezogen werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr zum Thema Coaching von Dr. Vogelauer finden Sie unter www.coaching.at
Literatur:
"Coaching Praxis", Vogelauer, Luchterhand Verlag, 4. Auflage
"Methoden im Coaching", Vogelauer, Luchterhand Verlag, 2. Auflage